Quo vadis Volkslauf?

Seit über zweiundvierzig Jahren gibt es in Deutschland Angebote für Laufsportler auf verschiedenen Langstrecken zu starten. Von 5 Kilometern bis hin zum Marathon und sogar darüber hinaus. Nun sollte man meinen, dass sich in den Jahren die Kenntnisse wie man für solche Belastungen trainiert bzw. wie oft man sich Langstreckenlauf wettkampfmäßig antut drastisch gestiegen seien. Leider ist dies nicht der Regelfall, ganz im Gegenteil. An den Vereinen ist der vielerorts vorhandene "Laufboom" komplett vorbei "gelaufen".

Die Möglichkeit, den "wilden Läufer" Kurse anzubieten, in denen Fachtrainer das nötige Wissen und Können vermitteln, ist den Vereinen nicht gelungen.

Die Folgen sind bei Großveranstaltungen zu betrachten. Schlecht oder ungenügend trainierte "Sportler" muten ihrem Körper Belastungen zu, denen er nicht gewachsen ist. Nicht nur die immer schlechteren Zeiten, gerade bei den Langstrecken, wo es dann doch auf die Substanz geht, sind ein Zeichen von Qualitätsverfall und starken Trainingsdefiziten. Leider fördern auch die Fachorganisationen diesen Negativtrend.

Anträge beim Deutschen Leichtathletik Verband (DLV), die Zielzeiten zu reduzieren, um die Sportler zu einem verbessertenTraining zu zwingen, sind an den Interessen der Straßenlaufveranstalter gescheitert. Hier stehen die wirtschaftlichen Aspekte, wie immer mehr Teilnehmer, im Vordergrund. Wenn man bedenkt, dass es in Deutschland über 180 Marathonläufe und tausende andere Langstreckenangebote von freitags bis sonntags, von morgens bis abends, quer durch unser Land gibt, muss man sich schon Gedanken machen, wohin das führen könnte und welche Folgen dies hat.

In Hamburg hat sich in den letzten 15 Jahren die Zahl der Veranstaltungen verdoppelt. Betrachtet man diese Szene genauer, so treffen immer dieselben Personen aufeinander. Frei nach dem Motto "Sonntags volle Kanne, der Körper gewöhnt sich schon daran". Was das dann mit der Gesundheit als Grundmotiv für Bewegung zu tun hat, erschließt sich auch auf den zweiten Blick nicht.

Ein austrainierter Körper ist etwas wunderbares und es verlangt viel Wissen und Arbeit damit dies auch so bleibt und dann ist Sport die tollste Sache der Welt, weil sie auch die Lebensqualität enorm erhöht. Zu Sehen ist aber davon in den letzten Jahren immer weniger. Man sollte ein "Daimler sein" und "keinen Daimler fahren", so ein schönes aber auch unbequemes Ziel. Dazu braucht man aber Hilfe von Fachleuten und Mann/Frau sollte diese dringend aufsuchen, auch wenn es etwas kostet. Auch dass die Todesrate bei Laufveranstaltungen dramatisch steigt, ist ein Indiz für ungenügendes Training und Unwissenheit. Leistungssportler unterliegen einer strengen medizinischen Kontrolle und suchen regelmäßig Leistungsdiagnostiker und Kardiologen auf. Der "normale Volksläufer", der mit dem Langstreckenlauf Leistungssport betreibt, macht es meistens nach Gefühl ohne Wissen von Trainingsmethodik und ohne Sportmedizin. Es sollte hier dringend ein Umdenken der Verbände, Vereine und der Sportler einsetzen. Aber auch der Veranstalter , die sicherlich auch in der Mitverantwortung stehen.

Wir bedanken uns bei Wolfgang Timm für diesen Beitrag. Er ist Zahntechniker und Vorsitzender des Breitensportausschuss und Volkslaufwart im Hamburger Leichtathletik-Verband, außerdem Trainer (Langstreckenlauf), aktiver Langstreckenläufer (von 5 Km bis 100 Km), zwanzig Jahre Lauftreff-Leiter in HH-Ottensen und seit über dreißig Jahren verletzungsfrei und immer unter ärztlicher Aufsicht.

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